Finaltag
Michael Helber (SV Fortuna Regensburg)/Björn Siegemund (Fortuna Regensburg) gegen Christian Mohr (FC Langenfeld)/Michael Keck (SSV Heiligenwald).
Vor zwei Jahren noch hatten M. Keck und M. Helber überlegen die Deutschen Meisterschaften gewonnen, seit Hannover 97 heißt die dt. No. 1 Helber/Siegemund. Hinterher schüttelte jeder den Kopf über den 1. Satz, denn 2o Minuten belauern sich die Gegner, hektisch, überhastet, bis es 6:6 steht.
Auf 10:6 reißen Mohr/Keck plötzlich aus, dann steht es 12:12. Die Regensburg jetzt wieder übernervös, kommen aus der Aufschlagsituation kaum noch heraus, ein furioser, mit absolutem Willen geführter Schlußballwechsel beendet den 1. Satz: 15:12 für Mohr/Keck.
2. Satz: In der Halle knapp unter 1000 Zuschauer sind es absolute, eklesiale Ruhe, bis auf das leise Hintergrundgeräusch derjenigen, die oben im Rundgang der Budenstraße stehen. Ein "Aus!" Ruf der Spieler ist ein "Aus!" für die ganze Halle. Jetzt noch mehr Niveau, ein wirklich phantastisches Spiel... . Aber die Nervosität ist ein launische Dame, wechselt gelegentlich, hier bei 10:4 für die Regensburger, die Seiten, der Vorsprung schmilzt wie Schnee in der Sonne:
Aber 12:8, Christian Mohr fuchtelt den Ball ins Netz, 13:9. Launisch und wählerisch auch die Gunst des Aufschlagrichters, here & now im Finale: Je drei Angabefehler für jede Seite gibt er, durchschaubar erscheint eher nur der Wille zur Gleichbehandlung. Aber beim Satzball zum 14:10 erwischt es wieder M. Helber, die Menge murrt vernehmlich, als hätte ein Ministrant während des Hochamts den Wein vergossen. Auch Zeit für Michael Keck, seinem Partner ein wenig Schlägerkunde zu geben. Acht Satzbälle wehren sie ab. Dreimal smasht Christian auf Björn. Immer höher steigt er, aber den dritten retourniert Björn als Netzroller, mit dem Schläger am Boden schrammend, fast aussichtslos, danach die Faust, der Schrei, der Schläger fliegt zur Tasche, fünf Minuten Pause. "We will rock you" dröhnt es übergangslos aus den Lautsprechern. Na servus, Bier oder Kaffee, Snickers oder Schnitzel, we are totally rocked.
3. Satz: Ein 9:2, aber von wegen "die Sache ist gelaufen". Mit Einsatz & Glück reißen sich Mohr/Keck ins Spiel zurück, 10:6. Beide machen gleichermaßen "Fehler", zu denen sie von ihren Gegner gezwungen werden, 14:6, zwei Matchbälle. Der erste abgewehrt, der zweite ? "Fehler" schreit der Aufschlagrichter und bringt sich so gewagt ins Spiel zurück, aber dann das 15:7.Björn formuliert für alle Siegerinterviews direkt im Anschluß auf dem Court vor: "Das Turnier ist wunderbar, das beste, wo ich je gespielt habe. Bielefeld sollte noch größere/weitere Turniere ausrichten."
Der Bundestrainer Fleming Wiberg beurteilte das Niveau als sehr hochklassig, von der Hektik der Anfangsphase abgesehen und analysierte exklusiv für bafo/Netzroller: "Die Übergangsphase von Verteidigung zu Angriff war bei Michael/Christian anfangs besser gelöst, dann bei Michael/Björn. Christian wird als Partner Michaels besser & besser, heute war keiner besser oder schlechter.In Krisenzeiten sind Siegemund/Helber mehr ein Paar als Mohr/Keck."
Mit das längste Spiel: 1 Stunde 20 Minuten, bis dahin "führend": Das Achtelfinalspiel zwischen Ian Maywald und Mike Joopien, ebenfalls 1 Stunde 20 Minuten.
Karen Stechmann (FC Langenfeld)/Kerstin Ubben (VfL 93 Hamburg) gegen Nicole Grether (FC Bayer Uerdingen)/Sandra Beissel (FC Langenfeld).
Kerstin Ubben spielt jetzt 2. Liga, ist mit K. Schmidt die international erfolgreichste Doppelspielerin des DBV in den letzten Jahren gewesen. Die anderen drei ebenfalls Nationalspieler, Grether/Beissel standen sich mit verschiedenen Partnerinnen noch letztes Jahr im Halbfinale gegenüber. Nach 15:4 im 1. Satz stellen sich Grether/Beissel besser auf ihre Gegnerinnen ein, 12:12 im 2. Satz, um 14 Uhr 31 ist es soweit: 15:12. Karen: "Ich kann mich nur Björns Worten anschließen und hoffe, daß Bielefeld zukünftig Ausrichter ist für Meisterschaften, German Open, Länderspiele etc."
Steffi Müller ( SV Fortuna Regensburg) gegen Katja Michalowski (SSV Heiligenwald)
"Höchstes Niveau aller Finalspiele. Insofern bei hoher (Schlag-) frequenz Sicherheit im Spiel aufrechterhalten blieb." (DBV Trainer Stefan Dreseler).
Von einem umkämpften 6:6 geht es für Katja bis 10:6 flott voran, Steffi wehrt 3 Satzbälle ab, aber kann die Nervosität ihrer Gegnerin nicht ausnutzen, 8:11.
2. Satz: Bei 0:5 erster Punkt für Steffi, bei Katja gehen die Ersatzschläger aus, sie scheint nur mehr mit ihrem Racket beschäftigt, aber nach einer Rallye bei 8:8 ist sie im Spiel zurück, gewinnt schnell. Steffi war danach "100 % zufrieden", war erst, seit ihren Knieoperationen, wieder 2 Monate im vollen Training. Und Katja freute sich sehr über ihren 1. Deutschen Titel: "Es war ein enges Spiel. Und die Spiel vorher waren hart."
Oliver Pongratz (FC Langenfeld) gegen Marek Bujak (TuS Wiebelskirchen)
Ergebnis: 15:5, 15:10. Hinterher meinte Oli: "Es wird immer schwieriger, den Titel zu verteidigen. (Anm.: Es ist sein sechster) Ich wollte Tempo machen, im 1. Satz ist es mir gelungen, im 2. hatte ein Konzentrationsloch."
Die Zuschauer sehen Klasseballwechsel, feuern Marek rhythmisch an, als er sich von 13:6 auf 14:10 herankämpft. Einmal, das erste Mal im Turnier, gibt sich Oli laut die Sporen: "Komm", als er bei 14:9 einen knappen Ball nicht mehr nehmen will. Wie eine Aufforderung für das Publikum, steigert sich das rhythmische Klatschen. Aber es kommt, wie es kommen muß, um 16 Uhr 14 der letzte Ballwechsel. Oli bedankt sich bei der Bundeswehr & seiner Frau ("Sie ist 24 Stunden um mich"), seinem Coach & liest noch mal die Werbetafeln vor. Bei der Siegerehrung ist er zudem Empfänger des Markus-Keck-Gedächtnispokals, hübsch massiv, für besondere Fairness im Sport.
Björn Siegemund (SV Fortuna Regensburg)/Karen Stechmann (FC Langenfeld) gegen Stefan Kuhl (FC Bayer Uerdingen)/Nicole Pitro (SV Fortuna Regensburg)
Ein großartiger Abschluß dieser 4 Tage Deutsche Meisterschaft in Bielefeld ist das Mixed-Finale , das die Zuschauer vor dem Nachhauseweg elektrifiziert, 12:15 der 1. Satz für Kuhl/Pitro.
Die Spannungskurve im 2. Satz, nach 11:3 Führung für die Gewinner des ersten, steigt kontinuierlich an, Siegi & Karen kämpfen sich groß, gegen alle Prognosen ("Sie haben schon einen Titel"), nochmal ins Spiel zurück, 10:12, Siegi greift jetzt heldenhaft an, smasht dreimal, Karen vollendet cool, ist mit ihrem Aufschlag durchmarschiert: 12:12. Aber da ist noch Energie, sie beflügelt Stefan Kuhl, verzweifelt schmettert er, Aufschlag zurück marschmarsch. Das Aufschlagsrecht wechselt hektisch hin und her, schließlich erzwingen Siegemund/Stechmann die Verlängerung. 2:0 führen sie, jetzt ist alles drin, die besten Ballwechsel des Turnieres (?), naja, die beherztesten, am meisten beklatschten, durchlebtesten, es heißt 3:1, 4:2. Satzball abgewehrt von Nicole/Stefan, so geht es weiter. 4:3 nur mehr führen Björn/Karen, dann Kuhl: Smash, Netzroller, 4:5, Deutscher Meister 98, Punkt. Publikums Achterbahnfahrt, ganz unvirtuell, rollt langsam aus, hektisch eilen Spieler durch die Halle, ungeduscht und schnell ins Auto, zurück nach Saarbrücken, das Wasser gefriert an den Scheiben der Autos, Motoren heulen auf, Bielefeld war o.k..
Winfried Trübenecker